Zelltransformation durch Retroviren

Es wurden viele verschiedene Retroviren aus einer breiten Palette verschiedener Spezies, hauptsächlich aus Mäusen, Vögeln, Katzen und auch dem Menschen isoliert. Sie wurden ursprünglich aufgrund ihrer Verbindung mit der Tumorgenese bei Tieren untersucht.

Akut transformierende Retroviren

Hierbei fand man, daß manche dieser Retroviren in Folge von selten vorkommenden Rekombinationsereignissen zelluläre Gene (Onkogene) anstelle eines oder mehrerer viraler Strukturgene in ihr Genom aufgenommen hatten. Die aufgenommenen Onkogene, die sich aus normalen zellulären Genen mit einer wichtigen Rolle in der Regulation des Zellzyklus ableiten, werden Bestandteil der genetischen Information des Virus und somit zusammen mit dem viralen Genom in die Zielzelle übertragen. Daraus resultiert eine abnormale Expression dieser Onkogene, die nicht mehr zell- und entwicklungsspezifisch reguliert werden, sondern durch die starken enhancer-Elemente des Virus in den infizierten Zellen jederzeit exprimiert werden können und somit zur Tumorgenese beitragen.

Bei Rous-Sarkom-Viren ist dies einzusätzlicher Genabschnitt, der oncogen wirkt:

Bei allen anderen Retroviren wird das Oncogen willkürlich eingebaut, was zur Deletion von Geninformation führt und so diese Viren nur noch mittels eines Helfervirus weiterexistieren können.

Nicht-onkogen-tragende Retroviren

Retroviren, die in die Tumorgenese involviert sind, müssen nicht unbedingt onkogentragend sein. Der Mechanismus, über den nicht-onkogentragende Retroviren in die Tumorgenese involviert sein können, basiert auf deren zufälliger Integration direkt in ein oder in die Nachbarschaft eines zellulären Gens, das an der Wachstumskontrolle beteiligt ist (Protoonkogen oder Tumorsuppressorgen; Übersicht siehe Fan, 1994, Abbildung).

Die Retrovirus-DNA (Provirus) wird in das Wirtszellgenom an eine zufällige Stelle eingebaut.

Das kann bedeuten:

Meistens hat die retrovirale Integration keine gravierenden Folgen. Bei Tumorsuppressor- oder  Onkogen kommt es aber zur Tumorbildung.

Da die Wahrscheinlichkeit einer einzelnen zufälligen Integration eines Retrovirus an einer solchen Stelle extrem gering ist, sind vielfache aufeinanderfolgende Integrationsereignisse nötig, damit ein derartiger Fall überhaupt wahrscheinlich wird. Hierfür ist erforderlich, daß der Retrovirus in der Lage ist, zu integrieren, neue Viruspartikel zu produzieren, neue Zellen zu infizieren, erneut zu integrieren, wiederum neue Viruspartikel zu produzieren und so weiter.

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