Poliovirus                        

Die Poliomyelitis ist eine oft epidemieartig auftretende, weltweit verbreitete Enterovirusinfektion, die zu Lähmungen und Tod führen kann.

3 Typen humanpathogener Poliomyelitisviren sind bekannt:

Polioviren vermehren sich hauptsächlich im Lymphgewebe der Darmlymphknoten und werden über den Kot ausgeschieden. Die Tonsillen können ebenfalls befallen sein, wodurch die Erreger dann oral ausgeschieden werden.

Epidemiologie

Poliovirusstämme sind streng artspezifisch.

Übertragung: oral/fäkal, Schmutz- und Schmierinfektion, aerogen.

 

Klinik

Inkubationszeit 1- 2 Wochen

Symptome: Fieber, grippeähnliche Symptome, Magen-/Darmbeschwerden

      

Pathogenese

Nach Infektion Ansiedeln des Erregers in Darmlymphknoten und Tonsillen; Besiedelung von Monocyten.

Eintritt in die Zelle  

Der Rezeptor für das Poliovirus  auf den Monozyten ist ein bisher unbekanntes Mitglied der IgG Superfamilie. Dieses Molekül ragt von der Zielzelle heraus und stößt in eine Vertiefung oder "canyon" auf der Poliovirusoberfläche ein. Diese Schluchten sind so eng, daß z.B. Antikörper nicht hineinpassen. Die Interaktion zwischen Rezeptor und Schlucht führt zu seiner Endozytose. Danach kommt es während des Ansäuerns des Endosoms zum Verlust von viralen Capsidproteinen (VP 4 und möglicherweise VP 2), das Capsid lagert sich an die endosomale Membran und Poren entstehen. Die virale RNA wird aus diesen Poren in das Cytoplasma geschleust.

Das Poliovirus kann möglicherweise auch durch einen ph-unabhängigen Prozeß in Zellen gelangen.
Interaktionen zwischen Rezeptor und Virus können auch ohne Ansäuerung zum Verlust der viralen Capsidproteine (VP4) führen. Diese Konformationsänderung führt zur Freilegung einer Domäne, die es dem Virus ermöglicht, durch Fusion mit der Zellmembran in die Zelle einzudringen.                                                                             Back to Endozytose

Ausbreitung über Monocyten in andere Lymphknoten, wo es sich weiter vermehrt: Erste Virämie (Vorkrankheit).

Verbreitung über den gesamten Organismus, Besiedelung des Rückenmarkes und des ZNS (zweite Virämie).

Infektion der Vorderhornzellen und der Motoneurone => schlaffe Lähmung => Inaktivitätsatrophie der Muskeln.

Diagnose

Nachweis neutralisierender Ab

Typisierung:  SN-Test

PCR

Therapie/Prävention

Attenuierter Lebendimpfstoff (Sabin) führt zur Bildung neutralisierender Ab (Schluckimpfung).
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