Enzootische bovine Leukose (EBL), BLV
BLV ist ein naher Verwandter des humanen T-Zell-Leukämie-Virus
(HTLV-1), befällt jedoch spezifisch die
B-Lymphozyten der Rinder.
Schätzungen gehen davon aus, daß in Amerika 30 - 50% der Rinder mit diesem Retrovirus infiziert sind.
Die meisten Tiere bleiben klinisch gesund, nur wenige entwickeln Tumore und 30 - 70% entwickeln eine persistierende Lymphozytose in Form erhöhter B-Lymphozyten im Blut. Schwarzbunte Rinder scheinen dabei genetisch prädisponiert.
Alle infizierten Tiere bilden Ak gegen BLV, dies hat aber nichts mit Schutz vor Tumorbildung zu tun. Wahrscheinlich bestimmt die T-Zell-Antwort die Konsequenzen der Infektion, Progression zu PL oder Tumoren.
Die Virionen sind spheroidal bis pleomorph, behüllt und haben eine
Durchmesser von 80 - 100 nm.
Die Oberflächenstrukturen (spikes) sind kurz und lassen das Virus "rauh"
erscheinen.
Da BLV sehr selten außerhalb von Lymphozyten vorkommt, wird es hautpsächlich durch Blut (iatrogen, Stechfliegen), Kolostralmilch und über die Plazenta übertragen. Außerdem kann BLV mit dem Spermaplasma übertragen werden! Daher ist die KB, wo das Plasma stark mit Verdünnern vermischt ist, sicher.
Die plazentare Übertragung kommt bei 8% der infizierten Kühe vor. Es ist aber nicht geklärt ,auf welche Weise dies passiert.
Nach Infektion persistiert der Erreger lebenslang in Lymphozyten. Daher ist jedes seropositive Rind ein potentieller Ausscheider.
Enzootische Bovine Leukose führt charakteristischerweise zu Tumoren des Lymphgewebes (Lymphosarkom), wie Thymus, Milz und die Lymphknoten. Daher findet man klinisch geschwollene Lymphknoten, Verdauungsprobleme aufgrund des Einwanderns in den Gastrointestinaltrakt, Koordinationsstörungen und hervorgetretene Augen aufgrund von Tumoren in Rückenmark oder ZNS (retrobulbaer).
1 - 5 % der infizierten Kühe entwickeln Lymphosarkome.
Ein Drittel der Infizierten entwickelt eine B-Lymphozytose, sonst aber keine weiteren Symptome. Es kommt sehr selten zu klinischen Symtomen von EBL beim Rind. Schafe zeigen öfter eine Tumorentwicklung, Ziegen seltener.
Zielzelle des BLV ist der B-Lymphozyt, aber es scheint, daß Monocyten und Macrophagen wie auch CD4+ und CD8+ T-Zellen zuerst infiziert werden.
Das BLV integriert sich fest in den B-Lymphozyten.
Die infizierten B-Lymphozyten sind vergrößert, haben mehr IgM auf der Oberfläche und zeigen eine veränderte Glycosilierung. Sie sind aber nicht tumorartig entartet und können manchmal sogar zu normaler Funktion zurückkehren.
Auf alle Fälle sind MHC classII Gene für das Unterbinden einer Progression von BLV verantwortlich.
Im fortgeschrittenem Stadium der EBL zeigt sich eine Immunsuppression, die sich in der Reduzierung der T-Lymphozyten und weniger Serum-IgM manifestiert. Ausgelöst wird sie durch einen Suppressorfaktor, der sich im Serum nachweisen läßt.
Für Bestandsuntersuchungen ist der Ak-ELISA bzw. AGPT das Mittel der Wahl. Ein positives Ergebnis besagt, daß das Tier infiziert ist, jedoch nicht, daß es erkrankt ist!
Alle klinisch Erkrankten sind im AGPT positiv.
Enzootische bovine Leukose ist anzeigepflichtig.
Bekämpfungsverfahren:
In Österreich werden alle Rinder , die älter als 2 Jahre sind, alle 2 Jahre auf BLV mittels Blutprobe untersucht. In positiven Ställen werden alle positiven Sero-Reagenten geschlachtet. Wenn 2 Untersuchungen im Abstand von 6 Monaten negativ ausgehen, wird dieser Betrieb als BLV-frei beurteilt, darf dann aber nur Tiere aus BLV-freien Beständen zukaufen.