Infektiöse Laryngotracheitis (ILT) der Hühner
Ätiologie
Die ILT ist eine zyklisch verlaufende, hochkontagiöse Herpesinfektion der Hühner mit Hauptmanifestation im oberen Respirationstrakt (Kehlkopf, oberes Tracheadrittel).
Der Erreger verhält sich serologisch einheitlich, jedoch sind unterschiedlich virulente Stämme verbreitet.
Die Krankheit hat wegen der teilweise hohen Letalität und dem starken Rückgang in der Legeleistung eine große wirtschaftliche Bedeutung.
Epidemiologie
Hauptwirt ist das Haushuhn, aber auch Fasane und junge Puten erkranken. Nicht empfänglich sind Rebhuhn, Taube, Wachtel und Ente.
In einem Bestand können innerhalb kurzer Zeit bis zu 90% der Tiere erkranken.
Die Ansteckung erfolgt als Kontaktinfektion über den Respirationstrakt, auch oral oder konjunktival durch Konjunktivalsekret, den Trachealschleim und z. T. auch mit dem Kot.
In Hühnerbestände wird das Virus meist durch zugekaufte Tiere eingeschleppt.
Die indirekte Verbreitung durch verseuchte Gegenstände, Einstreu usw. kommt ebenso vor, nicht aber die vertikale Übertragung über das Ei. Infizierte Embryonen sterben vor dem Schlupf ab.
Klinisch inapparente Infektionen sind häufig.
Virusreservoire und -träger sind latent infizierte Hühner, in denen das Virus persistiert und immer wieder ausgeschieden wird.
Inkubationszeit ca. 6 bis 12 Tage.
Pathologie
3 Tage p. i. bilden sich kleine Herde synzytialer Zellen im Epithel der Nasenhöhle, Larynx, Trachea und Konjunktiven. Die Virusvermehrung führt zum Verlust der Cilien im Epithel der respiratorischen Schleimhäute mit folgender starker Exsudation, oft mit Blutaustritt. Bei milden Verlaufsformen regeneriert das Epithel innerhalb von 10 Tagen .
Abhängig vom Virusstamm kommt es aber auch zu Virämien, wobei das Virus mit Leukozyten assoziiert ist.
Die pathologisch-anatomischen Veränderungen bleiben i. d. R. auf Trachea- und Larynxschleimhäute begrenzt. Typisch sind petechiale Blutungen und mit Blut versetzter Trachealschleim. Später bilden sich gelblich-käsige Beläge. Oft sind auch die Schleimhäute von Nasen- und Nebenhöhlen verändert. Gelegentlich breiten sich die Läsionen sogar über die Bronchien und in die Lunge aus.
Bei milden Infektionsverläufen werden oft nur Konjunktivalödeme und katarrhalische Tracheitiden erkannt.
Klinik
Besonders empfänglich sind Junghennen bis zur ersten Legeperiode.
Symptomatisch fallen erschwerte Atmung (Schnabelatmen), Aushusten von Blut oder Schleim auf. Bei einzelnen Tieren treten Ösophagitis, Sinusitis, Bronchitis und gelegentlich auch Bronchopneumonie hinzu.
Die Tiere verweigern das Futter und stoßen oft klagende Laute aus.
Bedingt durch die Absonderung von blutig-schleimigen Exsudaten in Larynx und Trachea kann innerhalb von 4 bis 5 Tagen der Erstickungstod eintreten.
Ein Rückgang der Legeleistung um bis zu 40% ist bei Legehennen das häufigste Begleitsymptom. Die Tiere können innerhalb von 14 Tagen genesen, aber auch die gleiche Zeit schwer leiden, bis nach unterschiedlich langer Erkrankung die Rekonvaleszenz einsetzt.
Diagnose
Das ILT-Virus läßt sich auf der CAM des bebrüteten Hühnereies züchten, wobei herdförmige proliferative Läsionen auftreten.
In Kulturen aus Kükennierenzellen ist eine lytischen cpE möglich.
Klinisch und pathologisch-anatomisch kann nur die akute Form der ILT hinreichend sicher diagnostiziert werden. Die milderen Formen unterscheiden sich kaum von respiratorischen Erkrankungen anderer Genese. Am sichersten ist dann die Labordiagnose über die Virusisolierung aus Trachealschleim in Hühnerembryonen oder Zellkulturen.
Der Nachweis des Virus bzw. Antigen mittels IF in Kryoschnitten von Trachealgewebe oder an Abstrichen ist möglich.
Ab können im NT oder in einem ELISA nachgewiesen werden.
Differentialdiagnostisch sind im Labor insbesondere die Hühnerpocken (diphteroide Form) abzugrenzen.
Immunologie
Hühner, die eine Infektion überstanden haben, bleiben lebenslang immun, aber auch Dauerausscheider.
Neuerkrankungen in einem infizierten Bestand kommen deshalb überwiegend bei Junghühnern vor.
Nach einer Woche p.i. sind Ab messbar, die lange persistieren, aber nicht unbedingt schützen.
Bekämpfung
Neben allgemeinen hygienischen Maßnahmen stützt sie sich in erster Linie auf die Vakzination.
Es stehen Lebendimpfstoffe aus attenuiertem Virus zur Verfügung und werden mittels der Augentropfmethode und auch durch Sprayverfahren appliziert. Da das Impfvirus ausgeschieden wird, verbreitet es sich durch die ganze Population.
Die Dauer des Schutzes ist aber umstritten und reicht je nach Verfahren von 20 bis 70 Wochen.