(BHV-3)/ovines Herpesvirus 2 (Schaf-Katarrhalfieber) OHV-2/alcelaphine herpesvirus 1 (AHV-1)
Bösartiges Katarrhalfieber (BKF), African Malignant Katarrhalfever, snotsiegte, European Malignant Katarrhalfever
Allgemeines, Ätiologie
Das BKF ist eine weltweit verbreitete, sporadisch auftretende, akut bis perakut verlaufende Viruserkrankung von Rindern, Büffeln und Cerviden. Eine Anzahl wildlebender Paarhufer gilt als empfänglich. Die Erreger werden von klinisch inapparent infizierten Tieren ausgeschieden und können bei Wiederkäuern BKF auslösen.
Ätiologisch unterscheidet man zwei Formen der Krankheit, die klinisch ident sind.
Schafe beherbergen ein Virus, welches dem AHV-1 sehr nahesteht, und das für das europäische BKF verantwortlich gemacht wird. Seine Bezeichnung läuft unter ovines Herpesvirus 2 (Schaf-Katarrhalfieber). Proben von Schafen haben bisher das BKF bei Rindern oder anderen Tieren nicht verursacht. Außerdem konnte der Erreger weder aus Schafen noch aus erkrankten Rindern oder Hirschen isoliert werden.
Epizootiologie
Das BKF kommt primär bei Hausrindern, Büffeln und gehaltenen Wildwiderkäuern vor. Afrikanische Büffel und Kamele sind nicht empfänglich.
Nahezu alle Fälle von OHV-2 können mit einem engen und monatelangen Kontakt der Rinder mit Schafen in Verbindung gebracht werden. Es ist jedoch kein Fall bekannt, wo das Sa-BKF durch Applikation von Schafmaterial bei Rindern ausgelöst werden konnte.
Das AHV-1 ist in Gnuherden Afrikas weit verbreitet. Das Virus kann diaplazentar Kälber infizieren. Dies dürfte ein wesentlicher Übertragungs- und Verbreitungsweg des Gn-BKF sein. Das AHV-l wird mit Nasen- und Augensekret ausgeschieden.
Pathogenese
Das Virus zirkuliert zellgebunden im Blut.
Die pathologischen Symptome werden mit dem Auftreten von Autoimmunprozessen erklärt. Granulozyten scheinen den Erreger zu beherbergen aber nicht umzubringen.
Pathologisch-anatomische Veränderungen sind Leber- und Lymphknotenschwellung sowie Herzmuskeldegeneration, die aber nicht pathognom sind. Ulzerationen in der Nasenschleimhaut und katarrhalische bis hämorrhagische Gastroenteritiden findet man bei der Darmform.
Die Kopf-Augen-Form zeigt schwere diphtheroid-nekrotisierende Schleimhautläsionen, herdförmige Bronchopneumonien mit interstitiellem Ödem und Keratitis am Auge, exsudative Iritis und Zyklitis.
Klinische Leitsymptome
Die Inkubationszeit schwankt beim BKF zwischen 2 Wochen und mehreren Monaten.
Allgemein lassen sich 4 unterschiedliche klinische Bilder unterscheiden, die auch ineinander übergehen können.
Vor allem bei der intestinalen und der Kopf-Augen-Form werden öfter Komplikationen in Form zentralnervöser Störungen festgestellt. Sie sind an Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen, Erregungserscheinungen, tonisch- klonischen Krämpfen bis zu komatösen Zuständen erkennbar.
Diagnose
Das BKF muß in erster Linie klinisch am Krankheitsbild diagnostiziert werden. Differentialdiagnostisch sind vor allem die IBR (BHV-1-Infektion) und die bovine Virusdiarrhoe (BVD/MD) zu berücksichtigen.
Histopathologischer Gehirnbefund: nichteitrige Panateritis. Immer interstitielle Nephritis.
Da die Anzucht bzw. Isolierung des Virus nicht möglich ist, ist die Labordiagnose nur mit einer PCR mit der Sequenz des OHV-2 möglich.
Das BKF läßt sich experimentell mit Material von natürlich infizierten Rindern u. a. durch parenterale Applikation an Kaninchen, weiter dann auch auf andere kleine Nager übertragen. Die Tiere erkranken auch nach einer Inokulation mit Lymphoblastenzellen, die zuvor mit dem Sa-BKF-Erreger infiziert wurden und selbst keine Veränderungen zeigen.
Immunologie
Die bisher vorliegenden Erkenntnisse wurden an Rindern mit Gn-BKF gewonnen. Rinder, die überleben, sind gegen eine Reinfektion mit dem AHV-1 jahrelang, wenn nicht sogar lebenslang geschützt. Sie entwickeln N-Ak, die aber vermutlich nicht gegen eine Ansteckung schützen. Kälber werden durch passiv erworbene maternale Ak nicht vor einer Ansteckung bewahrt. Es wird deshalb angenommen, daß der wesentliche Anteil der Immunantwort auf einer zellvermittelten Immunität basiert.
Bekämpfung
Sie besteht in der Vermeidung der gemeinsamen Haltung von Rindern und Schafen unter längerem Kontakt.
Leichte Fälle können nur symptomatisch behandelt werden.
Eine Immunprophylaxe gibt es nicht.