Bovines Herpes Virus 1                      

Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), Infektiöse Pustulöse Vulvo-Vaginitis (IPV) und Infektiöse Balanoposthitis (IBP)

Ätiologie

Das Bovine Herpesvirus l (BHV-l) ist der Erreger verschiedener Erkrankungen

Die BHV-I Infektion, eine hochkontagiöse Virusallgemeinerkrankung der Rinder und anderer Boviden, verläuft meist akut.

Vom Krankheitsbild zeigt sie sich als

Respiratorischer bzw. genitaler Verlauf treten i. d. R. getrennt auf, selten gleichzeitig.

IBR führt in der akuten Form zu Gewichtsverlust, Rückgang der Milchleistung, Fruchtbarkeitsstörungen und selten auch zu Todesfällen.

IPV/IBP tritt aufgrund von Bekämpfungsmaßnahmen gegen Deckseuchen und durch die AI nur noch selten auf.

Bei Ziegen mit respiratorischen Symptomen wurde ein Herpesvirus isoliert (caprines Herpesvirus 1), das mit dem BHV-I sehr eng verwandt, wenn nicht identisch ist.

Epidemiologie.

Das BHV-1 ist weltweit verbreitet, auch bei Wildwiederkäuerarten (bis zu 25% aller Rinder infiziert).

Infizierte Tiere bleiben lebenslänglich Träger (wie bei allen Herpesviren) und können wieder zu Ausscheidern werden (latente Träger). Erreger persisitiert in den peripheren Nervenfasern und den Ganglien.

Ausgeschieden wird das Virus bei der IBR hauptsächlich mit den Sekreten des Respirationstraktes und der Konjunktiven (Tröpfcheninfektion), oder über die Schleimhäute des Genitaltraktes (IPV/IBP; Deckakt u. a.), aber auch mit dem Kot. Dabei kann es in größeren Stallungen zu einer Virulenzsteigerung durch Passagen im Stall kommen, außerdem auch zum Wechsel zwischen respiratorischer und genitaler Form, z.B. durch Belecken. Kontaminiertes Sperma stellt bei der Verbreitung ebenfalls eine nicht zu übersehende Gefahr dar. Abortierte Föten beherbergen außerdem das Virus.

Die Virusausscheidung dauert ca. 2 Wochen, im Präputium können die Viren aber bis zu 4 Wochen und in Nasenspülproben bis zu 12 Wochen nachgewiesen werden.

Geimpfte Tiere werden infiziert, erkranken jedoch nicht. Sie sind dann als latente Träger zu betrachten!

Übertragung durch direkten Kontakt, Belecken, Tröpfcheninfektion und iatrogen. Indirekte Übertragung ohne Bedeutung, da Erreger sehr labil. Kleine Wiederkäuer können sich infizieren, erkranken nicht, scheiden aber das Virus aus. Wildwiederkäuer bilden wohl das Virusreservoir.

Klinik

respiratorische Form

Es kommt zu Entzündungen im Epithel der oberen Luftwege und zu einer Konjunktivitis, in Folge zur Virämie. Dabei heftet sich das Virus an Leukozyten und befällt den Respirationstrakt, ZNS und Fötus. Die Folgen sind Konjunktivitis, Orchitis, Endometritis, Enteritiden (Kälber), Mastitis und Abort, bei Kälbern auch eine Meningoenzephalitis. Es erkranken Tiere aller Altersstufen. Neugeborene ohne maternale Antikörper sind am schwersten betroffen.

Für die Meningoenzephalitis der Kälber dürfte ein eigener Virus-Genotyp (evt. Subtyp, BHV-5) verantwortlich sein, der von der Nase, den Tonsillen oder der Pharynxregion aus über den maxillaren oder mandibularen Ast des Nerviis trigeminus in das Gehirn wandert.

genitale Form

Bei der genitalen Form bleibt die Infektion i. d. R. auf die Vaginal- und Präputialschleimhaut begrenzt.

Eine Virämie tritt selten ein. Respiratorische Erscheinungen werden dabei nur äußerst selten beobachtet.

Das BHV-1 kann bei trächtigen Rindern die Plazenta passieren; Infektionen des Fötus mit nachfolgendem Abort sind deshalb möglich.

Das Intervall zwischen Infektion und Abort kann 8 Tage bis zu einigen Monaten betragen.

Für beide gilt:

Die Inkubationszeit beträgt  2 bis 6 Tage.

Bei akuter respiratorischer Erkrankung zeigt sich Fieber (bis 42 °C), seröser Nasenausfluß, eine Hyperämie der Flotzmaul- und Nasenschleimhäute sowie Speicheln. Die Milchleistung sinkt ab, eventuell Husten.

Milder Krankheitsverlauf kommt häufig vor und die Tiere gesunden nach ein paar Tagen. Bei Kälbern verläuft die IBR vornehmlich als fieberhafte Allgemeinerkrankung mit Dominanz der respiratorischen Symptome. Zusätzlich tritt vielfach Durchfall auf.

Die Krankheitsdauer beträgt durchschnittlich 10 bis 14 Tage.

Die Morbidität kann 100% erreichen, die Letalität ist meist gering (nur l bis l0%).

Bakterielle Sekundärinfektionen komplizieren den Verlauf öfter und können zu Pneumonien führen. Die Letalität liegt dann wesentlich höher als bei erwachsenen Patienten.

Eine Meningoenzephalitis bei Kälbern endet meist tödlich. Trächtige Kühe können 3 bis 6 Wochen p. i. abortieren (5. bis 8. Trächtigkeitsmonat).

Bei der genitalen Form werden nach leichtem Fieber eine Rötung und Schwellung der Schleimhaut der äußeren Genitalien und Vaginalausfluß beobachtet. Auf der Genitalschleimhaut bilden sich stecknadelkopf- bis kirschkerngroße, grauweiße bläschenartige Erhebungen mit stark gerötetem Hof. Pustelbildung, kruppmembranähnliche Veränderungen und ulzerative Erosionen kennzeichnen den weiteren Verlauf. Spätfolge ist nicht selten Rückgang der Fruchtbarkeit.

Bullen entwickeln nach der Infektion i. d. R. eine schwere Balanoposthitis. Sie scheiden das Virus mit den Sekreten des Genitaltrakts sowie mit dem Sperma aus.

Diagnose

Für Bestandsuntersuchungen wird heute überwiegend der ELISA eingesetzt.

Virusnachweis und -isolierung erfolgen über die Züchtung in Zellkulturen (fötale Kälberlungen, bovine Zellinien). Die Virusvermehrung verläuft mit einem lytischen cpE, z.T. mit Riesenzellbildung.

Anzucht aus Nasen- und Augensekret, Vaginaltupfern, Präputialspülproben, aus Sperma und den Organen abortierter Föten.

Zum Nachweis klinisch inapparenter Infektionen und von latenten Virusträgern :  N-Ab  

Auch ein Intrakutantest mit BHV-1-Antigen am Rind bewährte sich zum Nachweis der zellgebundenen Immunität.

Immunologie

Die Immunität gegen BHV-l-Infektionen basiert auf zellulären Immunmechanismen und  neutralisierenden Ab. 2 Wochen p. i. sind die Ab nachzuweisen und bleiben bis zu 4 Jahre erhalten. Reinfektionen sind daher möglich (auch schon nach wenigen Monaten). Lokale Infektionen (IPV, IBP) scheinen aber auch bei vorhandenen Ab-Titer möglich, da die lokale Immunität (IgA) nicht sehr lange hält.

Die Ausbildung einer delayed type hypersensitivity (i.e. einer zellulären Abwehr) ist diagnostisch wichtig; bei fehlenden Ab lassen sich über deren Nachweis (Intrakutantest) latente Infektionen erfassen.

Bekämpfung

Bei geringer Verbreitung ist das Aussondern positiver Tiere angezeigt.

In Österreich sind Impfstoffe verboten => NUR KEULUNG

Auf Grund der weiten Verbreitung sind nur international koordinierte Bekämpfungsprogramme sinnvoll, die dann auf Vakzinierung beruhen. Lebendvakzinen haben sich für die Immunprophylaxe wie auch für Notimpfungen bei Seuchenausbrüchen bewährt. Allgemein gebräuchlich sind auch Kombinationsvakzinen mit weiteren Komponenten, wie Parainfluenza 3-, BVD/MD- und Adenovirus. 3 - 4 Monate alte Kälber werden mit 2 Impfungen im Abstand von 4 - 6 Wochen grundimmunisiert. Dann jährliche Auffrischung. Intranasale Applikation führt zu einer schnellen lokalen Immunität.

Zur IBR Bestandssanierung soll die i.n. Applikation von Lebendimpfstoff bei 3 mo. Kälbern und dann eine Boosterung nach 3-4 Wochen gute Ergebnisse bringen.

Ziegen können anscheinend auch durch Infektionen mit dem bovinen Herpesvirus 1 erkranken. Bei Fällen mit zentralnervösen Störungen hat man das BHV-1 isoliert. Es unterscheidet sich deutlich vom caprinen Herpesvirus 1 (früher BHV- 6). Impfversuche mit rekombinantem Adenovirus, das gD von BHV1 exprimiert, scheinen vielversprechend.