Suines Herpes Virus                  

Aujeszky'sche Krankheit (AK), Pseudowut

Die AK ist eine Herpesviruserkrankung meist junger Schweine, hervorgerufen durch das serologisch einheitliche suine Herpesvirus l (SHV-1).

Die Symptome sind bei Ferkeln zentralnervöse Störungen, bei Läufern und Mastschweinen respiratorische Erkrankungen, bei Sauen und Ebern auch Reproduktionsprobleme.

Die AK ist anzeigepflichtig.

Das Schwein ist einziges Virusreservoir für das SHV-1.

Der Erreger ist sehr empfindlich gegenüber Fettlösungsmitteln und Halogenverbindungen (freies Chlor), auch wenig resistent gegenüber Natronlauge.

Eine engere antigene Beziehung besteht zum BHV-1.

Epidemiologie

SHV-1 ist weltweit verbreitet, die Virulenz der Stämme ist aber unterschiedlich.

Das Schwein ist der Hauptwirt des SHV-l;  Wiederkäuer, Hund, Katze und andere Fleischfresser sind als Endwirte ebenfalls sehr empfänglich, für die Virusverbreitung aber unbedeutend, denn bei diesen Tierarten führt die AK zum Tode!  

Aujeszky bei Hund oder Katze kann als Anzeichen subklinischer Erkrankungen in einem Schweinebetrieb gewertet werden!

Innerhalb eines Bestandes breitet sie sich aerogen aus. Ansteckungsquellen sind das Nasensekret (2 bis 4 Wochen nach der Primärinfektion eines Schweines, selten bis zu 6 Monaten), Milch und Sperma. Sauen streuen das Virus über abortierte Föten, die Plazenta und den Vaginalausfluß.

Einzelne Tiere werden bei Persistenz des Virus zu Dauerausscheidern. Zu Virusträgern können nicht nur empfängliche, sondern auch schutzgeimpfte Schweine werden.

Das Virusgenom persistiert nach der Infektion, wie bei allen Herpesviren in den Trigeminusganglien sowie den Tonsillen. Durch Streßfaktoren kann es reaktiviert und wieder ausgeschieden werden.

Pathogenese

Infektion über den Respirationstrakt, selten über den Digestionstrakt.

Das Virus vermehrt sich primär in den Epithelien von Nasen- und Rachenschleimhaut und den Tonsillen, ohne dort Veränderungen zu erzeugen, zieht dann über die Lymphgefäße zum Nervus olfactorius und in den Trigeminusnerv, dann weiter zur Medulla und breitet sich auf die Schwannschen Zellen und Fibroblasten des Endoneurons aus, bis es in die Neuronen gelangt.  

Bei schwach virulenten Stämmen erkranken meist nur Ferkel.

Virulentere Stämme sind auch für ältere Ferkel und Läufer pathogen, wobei das Virus in der Lunge die Alveolarmakrophagen infiziert. Es treten mehr generalisierende Infektionen auf, wobei ein besonderer Tropismus zum Genitaltrakt festgestellt wird. Ein Befall des ganzen Körpers mit Virus in allen Organen und mit entsprechenden Folgen kann resultieren. Dies ist überwiegend bei Neugeborenen der Fall. 2 bis 3 Wochen nach der Infektion wird Virus ständig mit den Nasen- und Rachensekreten ausgeschieden. Sauen können das Virus mit der Milch auf die Ferkel übertragen.

Klinik

Ferkel: Inkubationszeit 36 bis 48 Stunden

Die Tiere sind niedergeschlagen, haben Fieber, Erbrechen und Störungen der motorischen Sensorik. Es folgen zentralnervöse Erscheinungen, die sich in Muskelzittern, Ataxie, epileptiformen Krämpfen, Paddelbewegungen der Extremitäten und partiellen Paralysen auswirken. Meist verenden die Ferkel schon 36 Stunden später. Die Letalität beträgt 50 -100%.

Läufer: zeigen geringen Appetit, etwas Fieber, Schnupfen und Husten, haben Nasenausfluß und Atemnot. Der Tod tritt selten ein.

Mastschwein: Die Inkubationszeit liegt bei 3 bis 5 Tagen bei einer Morbidität 100%.

Hohes Fieber (bis 41 °C), Niedergeschlagenheit, Anorexie und respiratorische Symptome werden beobachtet, selten aber zentralnervöse Störungen. Die Tiere zeigen evtl. eine Hundesitzstellung.
Die Mortalität beträgt bis 5 %, aber die Gewichtszunahme stagniert 3 bis 4 Wochen lang. Der Verlauf der Krankheit kann durch Influenza- und bakterielle Infektionen kompliziert werden. In den Wintermonaten verstärken sich die klinischen Erscheinungen.

Bei erwachsenen Schweinen sind klinisch apparente Infektionen mit zentralnervösen Symptomen sehr selten. Überwiegend bleibt es bei vorübergehenden Krankheitserscheinungen mit etwas Fieber, Inappetenz, bisweilen unkoordinierten Bewegungen. Respiratorische Symptome mit Schnupfen, Husten und Abdominalatmung treten aber auf. Die häufigste Folge der Infektion ist bei tragenden Sauen der Abort.

Labordiagnose

Das SHV-l läßt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Zellkulturarten mit rasch ausgeprägtem cpE (Abkugelung, Riesenzellen, Lysis) züchten.

Die Labordiagnose wird über die Anzüchtung des Virus mit nachfolgender Typisierung im Elektronenmikroskop (am schnellsten) oder durch die direkte IF vorgenommen.

Der NT ist ebenfalls geeignet, dauert aber länger.

Ab können im NT, mit der indirekten IF und natürlich ELISA nachgewiesen werden.

Immunologie

4 Tage p.i. läßt sich eine zellvermittelte Immunität nachweisen.

Mit NT oder ELISA lassen sich Ab etwa 1 Woche p.i. erfassen, deren Titer bis zur 5.Woche steigt und dann jahrelang erhalten bleiben kann.

Über die Dauer des Schutzes nach natürlicher Infektion ist wenig bekannt. Schweine, die eine AK überstanden haben, sind vermutlich lebenslang vor einer erneuten Erkrankung geschützt, nicht aber gegenüber einer symptomlosen Reinfektion mit Virusvermehrung im Körper.

Saugferkel immuner Sauen nehmen über das Kolostrum Ab auf, die 8 bis 15 Wochen persistieren. Ferkel sind in dieser Zeit vor Erkrankungen geschützt, können aber Virus über den Respirationstrakt und die Tonsillen aufnehmen.

Bekämpfung

Für alle Bekämpfungsmaßnahmen ist es von grundsätzlicher Bedeutung, daß einmal infizierte Tiere, ob sie erkranken oder nicht, potentielle Träger und Ausscheider des Erregers sein und bleiben können und daß auch schutzgeimpfte Tiere vor der symptomlosen Infektion durch Wildvirus nicht gefeit sind.

Trotzdem ist die Impfung der einzig gangbare Weg, wenn AK-Risiko besteht und der Verseuchungsgrad hoch ist.

Da die epidemiologischen Untersuchungen mittels ELISA durchgeführt werden, ist heute auch ein Markerimpfstoff auf dem Markt, womit zwischen infizierten und geimpften Tieren unterschieden werden kann.

• Lebendvakzinen mit Stämmen aus

• Impfstoffe aus inaktiviertem Virus; sie enthalten gut immunisierende SHV-1-Stämme in chemisch inaktivierter Form;

• Subunit-Impfstoffe; sie sind noch in der Erprobung und enthalten gereinigte immunisierende Glykoproteine des SHV-1.

Die Schutzimpfung besteht aus einer Grundimmunisierung der Ferkel im Alter von 4 Wochen (oder auch ältere Tiere) in Form einer zweimaligen Impfung im Abstand von 4 bis 5 Wochen und einer Revakzinierung nach 6 Monaten.

Unabhängig vom Impfstoff kann damit gerechnet werden, daß durch diesen Impfmodus Schweine für 6 Monate geschützt sind.

Jungsauen sollten spätestens 8 bis 4 Wochen vor dem Abferkeln grundimmunisiert oder revakziniert werden, damit sie ihre Ferkel optimal über das Kolostrum mit maternalen Ak versorgen.

Bei der Verwendung von Lebendvakzinen in Mastbeständen wird eine Schlachtsperre vorgeschrieben, damit noch vermehrungsfähiges Impfvirus (es kann für Hunde und Katzen eine Restvirulenz aufweisen) nicht von Fleischfressern aufgenommen wird.

Obwohl es  eine Marker-Vakzine gibt, ist impfen in Österreich verboten - hier muß GEKEULT werden!!

Aujeszky'sche Krankheit beim Rind

Pseudowut, Juckpest, Tollkrätze

Wird mit belebten und unbelebten Vektoren verschleppt, wie

Auch die Tröpfcheninfektion ist möglich.

Das Rind ist Endwirt und verbreitete das Virus nicht. In der kalten Jahreszeit (November/Dezember) häufen sich die Erkrankungen.

Das neurotrope Virus gelangt über Verletzungen in der Maulschleimhaut/Trachea/Tegument nach einer primären Vermehrung über die peripheren Nervenfasern zum Hirn, wo es eine nichteitrige Enzephalomyelitis bewirkt.

Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 6 Tage.

Nach hohem Fieber, Juckreiz, Ataxien, Unruhe und Excitationen verendet das Tier meist nach 1 - 3 Tagen, festliegend.

Der Speichel kann nicht mehr abgeschluckt werden und tropft als Folge einer Rachenlähmung aus dem Maul. Im Unterschied zur Tollwut hat das Rind ständig Durst und zeigt keine Wasserscheu.

Die Labordiagnose der AK erfolgt mit ELMI oder IF. Das Virus kann aus Nasen-/Rachensekret, dem Speichel, der Lunge und der Vaginalschleimhaut isoliert werden.

In Gebieten mit AK bei Schweinen ist eine besonders strikte seuchenhygienische Trennung und Überwachung der Rinderbestände erforderlich.

Es gibt keinen brauchbaren Impfstoff, die Impfung ist verboten.

In Deutschland besteht Anzeigepflicht.

Die Aujeszkysche Krankheit (AK; SHV-l) kann auch bei Schafen ausbrechen, wobei es zu plötzlichen Todesfällen, ZNS-Störungen mit typischer tetanischer Verkrampfung und Streckstellung kommt.

Aujeszkysche Krankheit bei Hund und Katze

Durch Kontakt mit infizierten Schweinen, aber auch durch den Verzehr von Abfällen latent infizierter Schlachtschweine können Hunde und Katzen erkranken. Die "Infektionsdosis" ist aber nicht bekannt. Nach naso-oraler Aufnahme und dortiger Vermehrung verbreitet sich das Virus über die Nervenbahnen ins Gehirn.

Nach 2 bis 4 Tagen treten zentralnervöse Symptome, wie Unruhe, Erregbarkeit und Juckreiz auf, die dann in einer Paralyse enden. Im Unterschied zur Tollwut haben die Tiere jedoch Durst und sind nicht aggressiv.

Die Infektion verläuft stets innerhalb von 1 bis 3 Tagen tödlich.

Die Labordiagnose durch ELMI oder IF.

Die AK ist in Deutschland anzeigepflichtig.