Antivirale Therapie                                 Back to Allgemeine Virologie

Probleme bei der Therapie von Virusinfektionen

Ziel ist die Hemmung der Virusreplikation ohne Schädigung der Zelle, durch Hemmung virusspezifischer Funktionen

Probleme:

Prinzipieller Unterschied zwischen Chemotherapie gegen Bakterien und Viren

Allgemeine Therapie von Virusinfektionen

Symptomatische / Unterstützende Therapie

speziell bei respiratorischen Infektionen. Verhinderung von bakteriellen Superinfektionen

Ruhe, Antipyretika, Analgetika, unspezifische Immunstimmulanz, eventuell Antibiotika

Interferontherapie

Interferon stimmuliert Interferon-abhängige Gene, was zum Abbau von m-RNA und Hemmung der Proteinsynthese führt. So ist eine Zelle gegen Viren geschützt.

Man benötigt aber eine große Menge IFN so daß dies nur mit rekombinanten INF möglich ist

Es muß in konstantem Spiegel vorliegen, also nur über Infusion zu applizieren

Wirksamkeit am besten bevor sich Symtome zeigen

Verwendet wir es bei  

Nebenwirkungen: Fieber, Erschöpfung, Muskel und Gliederschmerzen, Übelkeit

Aber das Virus schlägt zurück

Einige Viren codieren für Produkte, die die interferonabhängigen antiviralen Schutzmechanismen hemmen

Beispiele von Mechanismen zur Inhibition von IFN :
Virus Protein Aktion Effekt
Adenovirus E1a Protein Signalübertragung Blockiert Signalierung
Epstein-Barr EBNA-2 Protein Signalübertragung Blockiert Signalierung
Vaccinia E3L Protein PKR Bindet dsRNA
Myxoma M-T7 Protein IFN gamma Neutralisiert
HIV-1 Tat Protein PKR Baut PKR ab?
Reovirus Sigma 3 Protein PKR Bindet ds RNA

Denn Viren die IFN nicht bis zu einem gewissen Grad ausschalten könnten, wären auch nicht erfolgreich, sprich überlebensfähig.

Der einfachste Weg ist die Inhibition der zellulären RNA  und Protein Synthese, da so auch die IFN Synthese zurückgeschraubt wird (wird von sehr virulenten Viren verwendet).

Es gibt aber auch elegantere Wege:

Einige Viren codieren Proteine, die die Signalübermittlung bzw. die Synthese von Signalen als Folge von IFN unterbinden

Andere Viren inhibieren ds RNA-abhängige Protein Kinasen (PKR), die den Initiierungsfaktor eIF-2 phosphorylieren, und damit die Proteinsynthese stoppen.

Myxoma Virus codiert ein sekretiertes Protein (M-T7), das starke Ähnlichkeit mit der extrazellulären Domäne des IFN-gamma Rezeptors hat. So bindet das Molekül  IFN-gamma und neutralisiert es.

Andere Cytokine können aber auch durch Viren inhibiert werden. z.B. schützt die Adenoviren ein Protein (E3) vor dem Angriff durch TNF.

Weitere Information zu IFN

Kausale antivirale Therapie

Da Viren auf funktionierende Zellmechanismen zur Replikation angewiesen sind, kann eine antivirale Therapie aus einer direkt gegen das Virus gerichtete Strategie oder der Störung der Wirtszell/Virus Interaktion bestehen.

Phase im Viruszyklus betroffener Mechanismus Konzept
Adsorption/Enthüllung
des Virus
Oberflächenstrukturen des
Virions
Applikation von löslichen
zellulären Virusrezeptoren.
Ionen-Transport-Hemmstoffe
Nukleinsäure.Replikation Replikase Nucleosid-Analoga
Virale Genexpression virale Regulations-Proteine Inaktivierung durch Bindung
an spezifische "Köder"
virale m-RNA Interferon, Ribozym
Spaltung von Precursorn virale Protease Protease-Inhibitor
Zusammenbau des Virions virale Strukturproteine Proteinmutante

Chemotherapeutika können gegen verschiedene Punkte des viralen Lebenzyklus angewand werden:

Virusadsorption/Penetration

Lösliche zelluläre Virus-Rezeptoren:

Frühe virale Prozesse (Ionenkanalblocker)

Amantadine  und Rimantadine  

Inhibition der reversen Transkriptase

Zidovudine wird zu seiner Triphosphatform phosphoryliert und diese AZT-TP wird dann in neue DNA-Stränge eingebaut und verhindert deren Elongation. AZT-TP ersetzt hierbei das normale Thymidin-Triphosphat.

Störung des viralen Nukleinsäureaufbaus

Purine + Pyrimidine-Analoga werden an Stelle eines normalen Nukleotides in den wachsenden Nukleinsäurefaden eingebaut.

Dadurch wird die weitere Virusvermehrung gestoppt.

Die Wirkung ist nur virusstatisch, nicht viruzid.

Acyclovir und Ganciclovir sind beide Guanosin-Analoga, haben aber unterschiedliche Effizienz bei Herpesinfektionen

Acyclovir ist bei Herpes simplex (HSV) und Varizella Zoster (VZV) erfolgreich,
Ganciclovir beim Cytomegalievirus (CMV)

Für die Herpes simplex Thymidinkinase ist Acyclovir ein viel besseres Substrat als für das zelluläre Enzym. Nach der Phosphorylierung zum Triphosphat wird es von der viralen Polymerase bevorzugt in die neue DNA eingebaut, was zum sofortigen Abbruch der Elongation führt. Gleichzeitig bleibt aber dieses Guanosin-analog-Triphosphat an die Polymerase gebunden, was deren Inaktivierung und damit eine Reduzierung der Replikation bedeutet.

Dadurch daß Acyclovir und Ganciclovir auf 2 Ebenen spezifisch und primär auf virale Enzyme aktiv ist, kommt es nur zu geringen Nebenwirkungen

Der Hintergrund, warum das eine gegen HSV und VZV das Andere aber gegen CMV aktiv ist, ist unklar, aber vielleicht durch sterische Unterschied zu erklären.

Beeinflussung der viralen Genexpression

Antisense Strategie

Kurze, synthetische antisense Oligonukleotide, die complementär zu einer viralen mRNA-Sequenz sind, verhindern die Genexpression.

Die Hybridisierung an die virale mRNA soll

Die Hybridisierung an virale DNA bzw. cDNA soll

Antivirale Aktivitäten konnten in der Zellkultur gegen HIV, HSV und Influenza schon ausgetestet werden.

Dummerweise gibt es Probleme mit

Ribozyme

sind katalytische RNA Moleküle, die spezifische biochemische Reaktionen ankurbeln, ohne weitere Proteine.

Diese Reaktionen können auf der einen Seite intramolekular (self-splicing,  self-cleaving) oder auf der andereren intermolekular unter Verwendung anderer RNA-Moleküle als Substrat. Dies letztere ist eine echte enzymatische Reaktion, da das Ribozym nachher wieder andere RNAs spalten kann.

Man findet 4 Gruppen von Ribozymen

  1. self-splicing group 1 Introns
  2. self-splicing group 2 Introns
  3. RNA Teil der Ribonuklease P
  4. self-cleaving-Aktivität der RNAs von Viroiden und RNAs von Satelitten-Viren

Inaktivierung durch Bindung an spezifische "Köder"

HIV-1 besitzt zumindest 6 Gene, die nicht bei anderen Retroviren gefunden werden. Das tat Gen codiert für ein Protein von 86 Aminosäuren, das die Expression proviraler RNA Transkripte der Strukturproteine via beschleunigter Synthese positiv reguliert. Virusmutanten in dieser Region können sich nicht replizieren.  Das Tat Protein wirkt im Zellkern auf das TAR (transactivating responsiv element), wobei es den mRNA Spiegel erhöht und gleichzeitig diese Moleküle stabilisiert. Also scheinbar wirkt es sowohl transkriptional (auf die DNA-Kopie des TAR) und posttranskriptional (auf die RNA-Kopie des TAR).

Da TAR im proviralen LTR liegt, da wo die Transkription initiiert wird, kommt es in allen Transkripten vor.

Ist das Tat Protein nicht vorhanden, inhibiert die TAR-Sequenz die Proteinsynthese aus der TAR-enthaltenden mRNA  

Tat kann direkt an TAR-RNA Sequenzen binden, aber wie es auf die TAR-DNA wirkt, ist noch unklar

So sollte eigentlich ein Überschuß an ungebundenen TAR Sequenzen Tat aufräumen und so die HIV Expression unterbinden.

Ähnliche Überlegungen gibt es mit Rev, das für den Export von nicht gespliced und einfach gespliced HIV mRNA aus dem Zellkern zuständig ist.  In der Anwesenheit von Rev kann eine spezifische env-Sequenz (anti-repression sequence CRS) dies binden und so die RNA ums splicing compartment umleiten. So kommt es zur Massenproduktion von Strukturproteinen und letzendlich Virus, Regulationsenzyme werden nicht mehr produziert.

 So könnte ein Überschuß an CRS Rev aufräumen und so HIV inhibieren

Versuche laufen mit beiden Methoden.

Spaltung von Proteinvorläufern

Protease-Inhibitoren

HIV Proteasen sind symmetrische Dimere, die an ihren aktiven Stellen Aspartam-Säurereste enthalten. Die Enzym / Substrat-Komplexe enthalten ein Wassermolekül in der Schlüsselstruktur, die einmalig für retrovirale Proteasen ist.

So kann man dies Wassermolekül als Zielscheibe für inhibitorische Aktivitäten herranziehen, z.B. durch chemische Konstrukte, die diese Hydrogen-bindenden Eigenschaften nachmachen. Sie werden daher als competitive Enzyme appliziert, die sich an die Enzyme auch noch fester binden als das normale Substrat.

Probleme mit diesen Medikamenten sind:

Protease-Inhibitoren werden zur Zeit in der HIV Therapie in Kombination schon ausprobiert.

Störung des Zusammenbaus des Virions

"dominant negative viral protein mutants"

Virale proteine setzen sich oft aus multimere verschiedenen Einzelproteinen zusammen, die sich verbinden müssen um eine stabile struktur zu bilden. Veränderte "mutant" proteine können sich zwar mit den anderen Verbinden, führen aber nie zu einer geschlossenen oder stabilen Struktur.- Falls diese mutant Proteine mit eine hohere Affinität binden als die normalen Proteine, spricht man von "dominant negative"

Bei HIV hat man Gag Protein-Mutanten competitiv zur Hemmung des Zusammenbaus des Virus eingesetzt.

Neue Produkte

Courtesy Institute of Molecular Virology, GSF-Neuherberg, Munich,
and Bavarian Nordic Research Institute, Munich, Germany

     Back to Allgemeine Virologie