Im Laufe der Viruserforschung ergaben sich mehr und mehr Techniken und Ansätze diese Erreger "nachzuweisen".
Unter den heutigen technischen Vorraussetzungen ist es daher umso wichtiger die "richtige" Frage zu einer Probe (oder einem Problem) zu stellen, da der Nachweis von Virusaktivität, genomischen Materials, Antigen oder Antikörpern jeweils andere Interpretationen einer Krankheitssituation zuläßt.
Grundsätzlich kann man Viren von 2 Seiten aus betrachten:
Viren sind normalerweise zu klein, um sie mit etwas anderen Methoden als dem Elektronenmikroskop darzustellen (Ausnahme Pockenviren). Aber selbst für ELMI Untersuchungen benötigt man größere Mengen Virus (1011) wenn sie nicht morphologisch ganz spektakulär sind.
Das Elektronenmikroskop und auch die Röntgen-Kristallographie haben viel zur Strukturanalyse der Viren beigetragen, sind aber äußerst aufwendige Techniken, die meist auch nur nach einer Multiplikation der Viren in Kultur zum Ziel führen.
Daher braucht man Vermehrungsverfahren, die, anders als bei Bakterien, neben dem "Futter" auch noch "Arbeitskraft" zu Verfügung stellten- das Virus braucht eine Wirtszelle, oder wie bei der Computer-diskette: Nix geht ohne Computer.
Also ein Wirtssystem ist nötig
Die Wahl des Kultursystems ist vom Versuchsansatz abhängig, wenn es überhaupt schon ein Kulturverfahren gibt. Viele Viren gelten heute noch als nichtkultivierbar, man denke nur an intestinale Erreger. Molekulare Techniken haben hier eine wesentliche, alternative Rolle übernommen.
Nachweis in einem experimentellen Wirt. Eins der ältesten Nachweisverfahren war die Applikation "infektiösen Materials" eines Erkrankten in einen empfänglichen Wirt und die Beobachtung der Entwicklung von Symptomen.
Versuchstiersysteme werden auch heute noch in der Virologie eingesetzt um
Probleme dabei sind
Heute sind Versuchstiere meistens von "in vitro" Zellkulturen abgelöst.
Nihilotrotzquam wird man bei Untersuchungen komplexer Interaktionen wohl in absehbarer Zeit nicht ganz auf sie verzichten können.
Fertile Bruteier werden auch seit langer Zeit benutzt. Diese Methode eignet sich vorzüglich zur Isolation und Kultivierung verschiedenster Viren, z.B. Pocken. (Anatomie des Bruteis)
Da sich Kücken in 21 Tagen im Ei entwickeln und man normalerweise Veränderungen in der Morphogenese der Küken erwartet, wird die Injektion des Testmaterials zwischen 6. und 12 Bruttag vorgenommen. Bis zum 5. Tag spielt der Inoculationsort keine Rolle. Später wird Kompartment-spezifisch injiziert.
| Allantoishöhle | 10 - 11 Tage vorbebrütet | Ernte großer Menge an virushaltiger Flüssigkeit |
| Amnionhöhle | 8 - 11 Tage vorbebrütet | für Isolation von Ortomyxo- und Paramyxoviren |
| Dottersack | 6 - 8 Tage vorbebrütet | für Rikettsien und Chlamydien |
| ChorioAllantois- Membran |
10-12 Tage vorbebrütet | Pocken, Herpes, Toga (Tollwut) |
| Exembryonierte Hühnereier |
16 Tage alter Embrio mit Dottersack u. Eiweiß |
Kultivierung von Influenza |
Für Pocken, Ortho- und Paramyxoviren verwendet man Bruteier häufig.
Sie werden wegen ihrer hohen technischen Ansprüche nicht häufig verwendet.
Sie bieten aber den Vorteil, daß es sich fast nur um ausdifferentierte Zellen handelt und so neben der Replikation auch die pathologischen Veränderungen gezeigt werden können .
z.B. Tracheal-Epithel-Kultur: Zilientragende Epithelien schlagen auch in Kultur synchron. Bei Infektion kommt es jedoch zu Asynchronie und Zelltod.
Primäre Zellkulturen können von Organen oder sonstigen Zellen (Fibroblasten, Lymphozythen) kultiviert werden.
Logischerweise sollten sie von einem empfänglichen Wirtstier stammen und dem Zelltyp entsprechen, der vom Erreger für die Replikation normalerweise benützt wird. Es gibt aber auch Beispiele heterologer Kulturen, die leicht infizierbar sind (z.B. exembryonierte Hühnereier für Influenza).
Häufig wächst ein Virus nur sehr langsam in seinem neuen Enviroment an, bis er sich durch Mutationen der Kultur angepasst hat, und "normal" weiterwächst.
Vorbedingung ist, daß man eine Nährflüssigkeit (Medium) für die gewünschte Zellart besitzt, die ein Leben in Kultur ermöglicht und daß die Suspension keimfrei aufbewahrt werden kann.
Mit der Erfindung der Antibiotika konnte man, mehr oder weniger zum ersten Mal, routinemäßig Zellen in Kultur halten. Ein Medium aus Salzen in isotonischer Lösung mit Zusatz foetalen Kälberserums (FCS), das Proteine und Wachstumsfaktoren beinhaltet, sorgt für die Erhaltung bzw. Vermehrung der Zellen. Wenn das Medium ausgelaugt ist, muß es ersetzt werden, was oft gleichzeitig mit dem Aufteilen der sich neu entwickelten Zellen durchgeführt wird (passagieren) da es ein optimales Verhältnis für Zellen/Oberfläche oder Volumen gibt .
Grundsätzlich können Zellen sich auf Oberflächen festsitzend oder in Suspension vermehren. So werden sie je nachdem durch Zentrifugieren oder Ablösen und Verdünnen für die nächste Passage eingestellt.
In der industriellen Produktion von Impfstoffen, Antigenen oder sonstigen Zellprodukten werden andere Methoden verwendet. Rollerflask's, Flaschen mit Belüftung oder auch konstantem Medienzufluß für Zellen in Suspension, großoberflächige Einsätze oder Micro-carrier (Kleinstpartikel, die von Zellen besiedelt werden, aber in Suspension bleiben) stellen für adhärente Zellinien häufig genutzte Methoden dar.
Primärzellinien versus Permanent-Zellinien
Primärzellinien werden aus Gewebe gewonnen, sind also diploid, und teilen sich unter günstigen Bedingungen 10 -100 Mal. Dann kommen sie in die "Krise", da sie sich verändert haben (Hayflick's Rule) und sterben ab. Einige der Zellen können aber genetische Veränderungen (Mutationen) durchgemacht haben (Aktivierung immortalisierender Gene, Heteroploidie) so daß sie unsterblich werden und als Zellinien weiter wachsen.
Reaktion des Wirts auf einen Kontakt mit dem Erreger
Ähnlich wie bei Versuchtieren oder dem Brutei, bei denen Erreger nach Infektion zu spezifischen pathologischen Veränderungen führen, kann auch in der Zellkultur ein Virus durch spezifische morphologische Veränderungen nachgewiesen werden.
Dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall, also ergeben sich 3 Möglichkeiten:
Serologie und molekulare Techniken
Neben den nur mit lebenden Viren funktionierenden Testansätzen, haben die Serologie, die Immunstimmulierung der zellulären Anwehr, die Histochemie und die Immunhistochemie viele neue Untersuchungsmöglichkeiten bereit gestellt .
Die traditionellen Methoden sind in den letzten Jahren um immer raffiniertere Techniken erweitert worden:
Molekulare Techniken der Proteinchemie und der Nucleinsäure-biochemie haben das Spektrum der Methoden noch erweitert
Durch deren Anwendung konnte einige Erreger zum ersten Mal identifiziert werden.
Hepatitis C ist ein klassisches Beispiel. Der Erreger konnte nie kultiviert werden, nur Teile seines Genoms waren von infizierten Patienten isoliert worden. Die Gentechnik konnte schließlich das komplette Genom rekonstruieren. Dies ermöglichte die Synthese von viralen Peptiden, die dann als Antigene in diagnostische Tests eingebaut wurden. Heute gibt es kommerzielle ELISA's für Hep. C chronisch Infizierte und zum Screening von Blutspenden.
Weiters können diese Techniken auch im noch relativ neuen Gebiet der genetischen Epidemiologie eingesetzt werden. Da Viren bei ihren Streifzügen durch die Populationen genetisch immer wieder adaptieren bzw. mutieren kann mit diesen Methoden deren Wanderungsbewegung nachvollzogen werden.