Virus-Zell Interaktion
Back to Allgemeine Virologie
Zuerst ist einmal wichtig, ob eine Zelle empfänglich für ein Virus ist, also den Erreger eindringen läßt (was noch nicht heißt, daß er sich auch vermehren kann), oder permissiv, also dessen Vemehrung zuläßt (was aber nicht bedeuten muß, daß er in die Zelle normalerweise eindringen kann). Bei Produktion von Virus-Partikeln spricht man von einer produktiven Infektion.
| z.B. erlaubt die Transfektion des Polio-Genoms in
Kükenfibroblasten die Replikation, die Zellen sind also permissiv; diese Zellen können aber nicht vom Poliovirus infiziert werden, da sie nicht empfänglich sind. |
Sowohl das Virus wie auch die jeweilige befallene Zelle bestimmen den Typ der Interaktion, also die Folgen der Infektion. Daher kann das selbe Virus in einer Zellinie eine lytische, in einer anderen eine persistierende Infektion hervorrufen.
Grundsätzlich teilt man diese Interaktionen wie folgt ein
Lytische Infektion
Hierbei stirbt die Zelle ab. Die Produktion von Virus-Nachkommen kann einfach beobachtet werden.
Eine Zellkultur zeigt z.B. schnell lytische Prozesse (Plaques).
Einfache (One-Step) Wachstumskinetik
Persistierende Infektion
Kontinuierliche Produktion von Virus durch
So kommt es also zu einem Gleichgewicht zwischen Virus und Wirt, die auf verschiedenen Grundlagen beruhen kann:
| z.B. Infektion von einer Affen-Nieren-Zellkultur mit dem Paramyxovirus
SV5 - Die Zellen sterben nicht ab, obwohl sich das Virus vermehrt. - < 1% der gesamten RNA der Zelle wird für die Virusproduktion eingesetzt (150.000/ Tag). - Der Zelltyp ist entscheidend. Babyhamster-Nieren-Zellen werden von SV5 lysiert. |
Latente Infektion
Dabei werden
- normalerweise nicht alle Virus-Proteine, also nicht das gesamte
Spektrum seiner Funktionen, exprimiert;
- kein infektiöses Virus gebildet;
- gut abgestimmte molekulare Kontrollen benötigt, um den latenten Status
aufrechtzuerhalten;
- häufig ein spezifischer Satz von
Latenz-Genen
exprimiert;
- externe Stimuli zur Reaktivierung möglich, wie z.B. Sonnenlicht bei
Herpes.
Wie kann sich ein Virus dadurch erhalten?
- Retroviren integrieren eine Kopie ihrer mittels reverser Transkriptase
produzierten
DNA (provirus) ins
Wirtsgenom. So wird bei jeder Replikation der Zelle auch
die Virus-DNA repliziert.
- Andere Viren, die sich nicht ins Genom integrieren können, bilden
ein spezifische Protein (z.B.
EBV:
EBNA1), das für die Aufrechterhaltung der episomalen
Persistenz verantwortlich ist, und sicherstellt, daß das Genom gleichzeitig
mit der Zelle repliziert wird.
- Wiederum andere Viren bleiben als Episome in sich nicht teilenden Zellen
erhalten (wie
HSV1 in
Neuronen) und haben so dieses Problem nicht.
Transformierende Infektion
Als Folge einer Infektion mit bestimmten DNA- oder RNA-Viren zeigen manche Zellen eine erhöhte Teilungsrate und Änderungen im "Verhalten", z.B. bei der Kontaktinhibition.
Karzinogenese ist normalerweise multifaktoriell, beruht auf genetischen Vorbedingungen, Ernährung, Umwelteinflüssen und anderen Microorganismen. Viren sind jedoch bei ca. 20% der humanen Krebsformen mitbeteiligt, beim Tier sogar noch viel öfter.
Der Großteil der tierpathogenen Viren ist nicht krebserregend,
doch
- viele DNA-Viren verursachen gutartige Tumoren;
- können zu malignen Tumoren bei neugeborenen Tieren führen;
- einige wenige sind für Tier und Mensch onkogen.
Viele dieser Viren führen auch in Zellkulturen zu Transformationen, aber eben doch nicht alle, so daß eine in vitro Situation noch nichts über in vivo aussagt.
Für Viren gibt es zumindest drei mögliche Wege, wie sie zum Tumor führen:
Abortive Infektion
Obwohl ein Virus normalerweise verschiedene Zellen infizieren kann, wenn sie den richtigen Rezeptor aufweisen, wächst er doch nicht überall gleich gut. Es kann zu:
Unterschiede in der Bereitstellung oder Modifikation der notwendigen Proteine (Struktur und Enzym) oder Nukleinsäuren durch die Wirtszelle liegen diesen Beobachtungen zu Grunde.
| z.B. Geflügelinfluenza auf Maus-L-Zellen: Zu wenig virale RNA wird
synthetisiert => wenig Virus mit schlechtem Infektionspotential |
| z.B. Human-Influenza auf nicht-permissiven Zellen: Hämagglutinin
kann nicht gespalten werden => nicht infektiös! |