Reoviren      

Reoviren stellen die größte Gruppe der ds-RNA Viren dar.

Einteilung

Orthoreoviren

Säuger

Sie infizieren eine große Vielfalt von Säugern, ohne jedoch immer Krankheitssymptome zu erzeugen. Primär werden sie bei den Infizierten im Respirations- oder Darmtrakt angetroffen und werden häufig im Wasser gefunden.

Sie besitzen ein gemeinsames Gruppenantigen, können aber in verschiedene Serotypen differenziert werden.

Geflügel-Reoviren

Werden in Geflügelfarmen angetroffen und erzeugen u.a. Arthitis/Tenosynovitis. Sie haben ebenfalls ein gemeinsames Gruppenantigen, lassen sich aber in viele Serotypen per SN einteilen.  Sie haben mit den Säugerreoviren viel gemein, unterscheiden sich aber in der Pathohisto durch Formen von multinukleären Synzytien, und in ihrem Unvermögen, Erys zu agglutinieren.

Morphologie

Sie sind sich alle sehr ähnlich, nichtbehüllt, aber mit einer doppelten Proteinkapsel von ca. 80 nm Durchmesser.

Virion      

Es enstehen aber auch defiziente, subvirale Partikel während der Produktion (oder durch Behandlung mit Proteasen). Diesen fehlt dann ein Teil der äußeren (Intermediate subviral particle, ISVP) oder überhaupt die Kapsel (Cores), was sie nichtinfektiös macht.

Genom

Das Genom besteht aus 10 - 12 Segmenten doppelsträngiger RNA, wobei man kurze, mittlere und lange Segmente unterteilt.

Replikation

Die Rezeptoren, an die sich die Virionen bzw. ISVP's binden, bestehen aus Neuraminsäure, sind noch nicht endgültig identifiziert, führen aber zur Hämagglutination. Nach der Internalisierung werden sie teilweise in Endolysosomen von der äußeren Kapsel befreit. Bei der Penetration der Lysosomenmembran verlieren sie auch die innere Kapsel und so liegt das Core frei im Cytoplasma vor.  

Primäre Transkription

Wenn alle notwendigen Enzyme in das Core verpackt waren, werden nun gecapte Transkripte produziert, die aber keinen Poly-A-Schwanz besitzen.

Translation

Diese RNA's werden nun in Proteine umgesetzt, wobei die Eigensynthese der Wirtszelle immer weiter eingeschränkt wird. Dabei werden die Proteine der kürzeren Segmente bis zu 100 mal schneller produziert als die der langen.

Assortment

Die positivgerichteten Transkripte dienen auch als Matritzen für neue virale genomische RNA. Sie werden durch einen unbekannten Mechanismus sortiert, so daß nur je ein RNA-Molekül der 10 - 12 Segmente in das neu entstehende Virion eingebaut wird. Der Gegenstrang (Negativstrang) für die ds-RNA wird erst im entstehenden Viruspartikel synthetisiert. Nur wenn der Doppelstrang fertig ist, ist das Partikel auch restitent gegen RNasen.

Sekundäre Transkription

findet im Laufe der Zellinfektion statt. Die Transkripte sind aber ohne Cap und Poly-A-Schwanz. Was damit geschieht ist unklar.

Zusammenbau

6 - 7 Stunden nach der Infektion bilden sich Partikel, die die Einschlußkörperchen darstellen. Die Virionen verlassen das ER und werden bei Lyse der Zelle freigesetzt.

Folgen für die Zelle

  1. Die zelluläre DNA-Synthese wird 8 - 12 Stunden pi. unterdrückt. Dabei bleiben sie in der G1 Phase stehen.
  2. Die zelluläre RNA-Synthese wird herunterreguliert, wobei dieser Effekt MOI abhängig ist. Dabei schein ein virales Protein () die Interferon induzierte ds-RNA-aktivierte Proteinkinase negativ zu beeinflussen, was zur Verhinderung der Initiation der Translation führt.
  3. Induktion von Interferon Produktion durch die ds-RNA Struktur der Reoviren.
  4. Persistierende Infektion, wenn in Kultur (Bei Säugern bisher nicht gefunden, dort immer lytisch)