Parapoxvirus                          

PARAPOXVIREN sind klinisch den echten Pocken sehr ähnlich, hinterlassen aber keinen langanhaltenden Immunschutz.

Morphologie: etwas kleiner als die echten Pocken, regelmäßigere Anordnung ihrer Oberflächenfilamente, sind immunologisch mit einander eng verwandt.

Alle PPV sind auch für den Mensch pathogen - Zoonosen!!

Parapoxvirus ovis

Erreger des Ecthyma contagiosum (Orf)

Beim Mensch erzeugt es nur lokale Läsionen, bei Ziege, Schaf und Gemsen eine inapparente, lokale oder allgemeine Infektion.

Eine infektiöse Hautkrankheit mit typischen Pusteln und Borken an den Lippen, seltener am Euter, den Klauen und äußeren Genitalien. Wirtschaftlich weit unbedeutender als Schafpocken, aber lästig als Zoonoseerreger - Läsionen beim Pflegepersonal.

Erreger: Ein Poxvirus ohne Bezug zum Schafpockenvirus, mit eigener Morphologie.

Klinik

Pustulardermatitis, Papeln, Pusteln, Exsudat => blumenkohlartige Krusten

weltweit verbreitet

hochkontagiös

Kontakt, aerogene Übertragung, auch durch Felle, Wolle, Fleisch; Muttertier kann Lamm bei der Geburt oder später anstecken.

Morbität hoch, Mortalität normalerweise nur 1%, kann aber bis 50% gehen!!

Virusreservoir = klinisch inapparent infizierte ältere Wiederkäuer

Inkubationszeit 6 - 8 Tage

Zumeist primär labiale Form. An Ober- und Unterlippe, Maulwinkel, Nasenlöchern rote Flecken => Bläschen => Pusteln => meist sehr ausgeprägte Borkenbildung. Es können massive Granulationen resultieren, die die Futteraufnahme erschweren, teils auch die Atmung. Durch Sekundärerreger entstehen lästige Geschwürformen.

Pustulöse Stomatitis (durch das Orfvirus selbst bedingt) im Frühstadium oft zu beobachten. Auch hier sekundäre Ulcerationen möglich.

Wenn überhaupt entwickeln sich Läsionen an den anderen Prädilektionsstellen parallel zu denen am Kopf.

Verlauf und Bedeutung

Ohne Sekundärinfekte nicht schwer und heftige Granulationen unterbleiben, Abheilung in 2 Wochen.

Allgemeinstörungen durch Virus selbst fehlen in unseren Breiten (unterschiedlich zu Tropen, wo sie beschrieben sind). Wo aber durch größere Läsionen Nahrungsaufnahme behindert ist, leidet natürlich Allgemeinzustand des Patienten.

Pathogenese

Lokale Virusvermehrung bei Eintrittspforte (Hautverletzung); anschließende Virusverbreitung über Blut und Lymphe

Vermehrung in lymphatischen Organen + Leber

Inkubationszeit = 3 - 8 Tage

4 Formen:

Nach Infektion sind Tiere immun, aber Immunität ist kurzfristig und instabil.

Schutz ab der 2. Krankheitswoche.

Maternale AB reichen nicht für Schutz aus.  

Diagnose

E.M.

ELISA

Prophylaxe

Schutzimpfung mit Lebendvakzinen (gut attenuierte Orf-Stämme) subkutan appliziert induziert zelluläre Immunantwort (und oft neutralisierende Ab).

Bei Ausbruch: Lämmer sollen erst 1 bis 2 Tage nach Geburt vakziniert werden, dann nach 14 Tagen und 3 Monaten.

Normal: alle über 3 Monate alten Tiere sollten geimpft werden, und dann 6 bis 12 Monate später wieder.

Maßnahmen

In erster Linie den Menschen, inklusive Tierarzt, vor Ansteckung schützen!

In Ländern, wo Orf ein wirtschaftliches Problem in der Schafzucht ist, wird mit großem Erfolg OK-Lebendvakzine verimpft.

In Österreich ein Problem, da nachweislich auch Gemsen und wilde Schafe Orfvirus beherbergen (mit klinischer Erkrankung der Schafe). Da in Borken abgestoßenes Virus hohe Tenazität hat, haben Heideschafe gute Chancen für eine Infektion. Man müßte also systematisch impfen, was sich bei uns nicht lohnt.

NB: In Lit. best. Meldungen, denen zufolge mittels Vacciniavirus-Impfung Kreuzimmunität gegen Orf erzielt wurde. Stimmt nicht! Gehört zum Genus Orthopox, keine Kreuzimmunität! Robinson + Mercer, Arch. Virol. 101, 255, 1988.

Parapox bovis 1

Stomatitis papulosa beim Rind

Gutartige Infektion, äußerlich sichtbar an Mund-/Nasenschleimhäuten bei Saugkälbern;

häufig;

kontagiös;

vor allem bei Kälbern und Jungrindern (4 - 8 Monate).

Gekennzeichnet durch oft ulzerierende Exanthemen an Flotzmaul, Lippen, Gaumen, Gingiven.

Keine Präventiv-Maßnahmen üblich.

Inkubationszeit wird mit wenigen Tagen angegeben, hängt nach neueren Erkenntnissen von äußeren Bedingungen ab.

Nach Mayr (1981) ist das Virus viel verbreiteter, als zuvor angenommen wurde. Es führt beim infizierten Jungtier zu einer Systeminfektion, die lediglich im Mund-/Nasenbereich erkennbar ist oder häufig überhaupt subklinisch abläuft. Zu den sichtbaren Veränderungen kommt es unter Streß, wobei das Stadium mit Erosionen besonders typisch ist, die gelegentlich auch an Zitzen der betroffenen Jungkälber auftreten können.

Maßnahmen meist keine. Trotz ungewöhnlich protrahiertem Verlauf treten selten Allgemeinstörungen auf.

Sofern in einem Mastbestand als Co-Erreger bedeutsam, neue Mastgruppe anläßlich des Zusammenstellens und 4 Wo. später nochmals s/c mit attenuiertem Orf heterotypisch impfen.

Parapox bovis 2

Pseudokuhpocken/Melkerknoten

Überwiegend bei Milchrindern, lokale Hautinfektion, normalerweise nur Euter, besonders Zitzen sind betroffen.

Zahlreiche Blasen und Pusteln, die schnell verkrusten.

Kann auf den Maulbereich von saugenden Kälbern übertragen werden.

Wird wahrscheinlich mechanisch beim Melken und durch stechende Insekten übertragen.

Mensch kann auch infiziert werden:

Einzelne schmerzhafte papulöse Veränderungen an Händern und Unterarmen (Melkerknoten!) = Zoonose!, kann dann durch infizierte Hände weiterverschleppt werden.

Diagnose

mittels E.M.

ELISA

Zu bekämpfen durch eine gute Hygiene, milde Desinfektion und symptomatische Therapie.

Infektion des Menschen

An den Händen, seltener im Gesicht, entstehen nach Inkubationszeiten von 13 - 15 Tagen Rötungen/Papeln, deren Zentrum in Form eines Nabels charakteristisch eingedellt ist. In diesem Stadium besteht örtlicher Schmerz.

Teils kommt es zu Fieber und Schwellungen der reg. Lymphknoten.

Durch Salbenbehandlung kann man teils Pustel- und Geschwürbildung verhindern und Abheilung in wenigen Wochen erreichen. Entstehen aber Pusteln, sind antiseptische Puder angezeigt, Salben erst später im krustösen Abheilstadium.