PORCINE REPRODUCTIVE AND RESPIRATORY SYNDROME
(PRRS)
auch seuchenhafter Spätabort der Schweine (SSS), Swine infertility and respiratory syndrome(SIRS), Porcine epidemic abortion and respiratory syndrome (PEARS), Mystery swine disease (MSD), blue ear disease.
Epidemiologie
1987 trat in der USA eine bis dahin unbekannte und mysteriöse Schweineseuche auf. Die erste Bezeichnung dafür war "mystery swine disease" (MSD). Zu den Symptomen zählten Aborte, zu früh geborene unreife Ferkel und allgemeine Fertilitäts- und Graviditätsstörungen. Daneben kamen auch respiratorische Symptome vor.
Ungefähr zur gleichen Zeit trat eine ähnliche Erkrankung in Europa auf und wurde "Seuchenhafter Spätabort der Schweine" genannt. Die Erkrankung breitete sich in Europa rasch aus und galt lange als anzeigepflichtig! Heute ist die Erkrankung weltweit verbreitet.
Das PRRS-Virus ist ein behülltes RNA-Virus mit einer Genomgröße von ca. 15 Kb und 8 ORFs.
Die Genomorganisation des amerikanischen und des europäischen Stammes ist ähnlich dem Simian haemorrhagic Fever-Virus (SHFV), dem Murine lactate dehydrogenase elevating virus (LDV) und dem Equinen Arteritisvirus (EAV) und alle gehören der Familie Arteriviridae an. Sie haben eine hohe Mutationsrate,.
Das Virus kann leicht durch Hitze, Trocknen oder herkömmliche Desinfektionsmittel inaktiviert werden.
Klinik
Das Virus kann sich durch Kontakt bzw. Tröpfcheninfektion sehr rasch in den Betrieben ausbreiten. Verstärkt wird der Effekt durch hohe Besatzdichte und Streß. Die klinischen Symptome variieren sehr stark, je nach Virulenz des jeweiligen PRRS-Typs.
Eine Übertragung durch die Luft ist bis zu 3 km möglich. Eine weitere Rolle spielen Menschen, Gerätschaften, Gülle und auch Vögel (Vehikelfunktion).
Eine Infektion kann auch durch den Eber erfolgen, der das Virus vom 6. Tag bis zum 92. Tag p. i. im Ejakulat ausscheiden kann (durchschn. 35 Tage).
Einige Tiere können Fieber (>39, 5°C) haben und inappetent sein. Sehr oft ziehen sich diese Symptome durch den ganzen Betrieb. Die Virusausscheidung erfolgt mit dem Urin (14d), Kot und dem Speichel- und Nasensekret(42 d). Die Virämie tritt bereits nach einem Tag ein.
Vom 3. - 21. Tag der Infektion erfolgt die Ausscheidung des Virus auch mit dem Sperma.
Hauptsymptom des seuchenhaften Geschehens sind Spätaborte, vorwiegend um den 110. Trächtigkeitstag. Es werden tote bzw. lebensschwache Ferkel zur Welt gebracht. Ein Teil der Sauen zeigt Freßunlust, die Körpertemperatur kann erhöht sein. Es kann zu blauroten Verfärbungen der Ohren, Scheide oder des Gesäugekomplexes kommen. Nach der Geburt von toten bzw. lebensschwachen Ferkeln ist vermehrt das Erscheinungsbild des MMA-Komplexes anzutreffen. Sekundärinfektionen treten gehäuft auf. Allg. Fruchtbarkeitsprobleme ziehen sich durch den Betrieb.
Weiters können Umrauschen, Atemwegserkrankungen, Hirnhautentzündungen, plötzliches Verenden, Bindehautentzündungen, allg. Entwicklungsstörungen usw. unter den Ferkeln zunehmen.
Das klinische Bild machen vor allem Co- bzw. Sekundärinfektionen aus: Mykoplasmen, Pasteurellen, APP, Bordetellen, Streptokokken, Salmonellosen etc.
Verdacht besteht in Zuchtbetrieben bei:
In Mastbetrieben:
Pathogenese
Aerogene Infektion. Die erste Vermehrung des Virus ist in den Lungenmakrophagen, nach 1 Tag kommt es bereits zur Virämie, wobei infizierte Zellen auch die Nachbarzellen zu Apopthose anregen..
Bei unkomplizierten Erkrankungen zeigen adulte Tiere vor allem die klassische interstitielle Pneumonie durch die Immunsuppression, die auf der Vermehrung des Virus in den Makrophagen beruht. Die komplizierte Form hängt großteils von der Mitbeteiligung von Sekundärerregern ab ( APP, Influenza, Mykoplasmen usw.).
Neuere Infektionen (1996, USA) zeigen eine verstärkte Mitbeteiligung des Herzens und Gehirns, zurückzuführen auf Genomveränderungen.
Weiters kann man Lymphknotenhyperplasien und Nekrosen feststellen. Andere Veränderungen sind Arteritis, Rhinitis and lymphocytäre Endometritis und Myometritis.
Ferkel zeigen häufig Ödeme, Läuferschweine, Exsudationen in der Bauch- und Brusthöhle und zyanotische Verfärbungen der äußeren Haut, insbesondere im Kopfbereich, die Ausdruck pathologischer Gefäßpermeabilität und Kreislaufstörungen sind.
Immunität
Es kommt bereits nach 7 Tagen zur Ausbildung von Antikörpern, die aber bereits nach 5 Monaten wieder vollständig abgebaut sein können, damit sind diese Tiere wieder voll empfänglich für eine Infektion. Trotz Ab's könnendie Tiere bis zu 3 MOnaten noch Virus ausscheiden
Das Ferkel bekommt maternale Antikörper über die Milch, diese werden aber bereits 6 - 8 Wochen nach der Geburt schon wieder abgebaut.
Therapie
der Sekundärinfektionen mit Antibiotika.
Nachweis
Prophylaxe
Leider besteht in den meisten Betrieben ein sehr unterschiedlicher Antikörper-Titer, so daß keine vollständige Bestandsimmunität aufgebaut werden kann.
Da diese Erkrankung relativ therapieresistent ist, sollte man versuchen eine Bestandsimmunität aufzubauen.
Das Virus ist aber sowohl pH- als auch thermolabil.
Impfung
USA seit 1994, Dt. seit 1996 - Lebendvakzine; In Österreich verboten!
Spanien - inaktiver PRRS-Impfstoff
Diese Impfstoffe sind nur für Mastschweine von der 3. bis zur 18. Lebenswoche zugelassen. Sauen und Eber dürfen nicht geimpft werden!
Der Impfstoff ist sehr "sensibel" und muß absolut korrekt angewendet werden (Impffähigkeit der Tiere, Hygiene, korrekte Verabreichung, Aufbewahrung und Haltbarkeit).
Ferkel können bereits ab der 3. Woche geimpft werden. Antikörper bereits nach einer Woche vorhanden.
Komb. mit Aujeszky ist möglich (gleiche Impfstelle).
Leider bietet die Impfung keinen vollständigen Schutz gegen eine Infektion, nur die klinischen Symptome werden gemildert.