FSME                                   

Frühsommer- Meningo-Enzephalitis

Weitere Bezeichnungen: CEE (Central European Encephalitis), zentraleuropäische Enzephalitis, biphasische Enzephalitis

Erreger: Flavivirus (früher Togavirus)

Vorkommen: In Europa, teilw. auch in Asien. In Finnland, Norwegen, Schweden geringes Risiko, in der Tschechischen Republik, Ungarn, Österreich, Slowenien, Kroatien, Polen u. der Schweiz in ausgewiesenen Endemiegebieten saisonal von März bis Oktober <1500m Höhenlage. Meldungen von >2000 Erkrankungen/Jahr, in Rußland weitere 4000/Jahr.

Übertragung: Übertragung perkutan durch infizierte Zeckenarten (meist Holzbock), selten auch durch pasteurisierte Milch u. Milchprodukte. Die Zecken sind Überträger u. gleichzeitig zusammen mit Ratten, Maulwürfen, Igel u.a. auch Reservoir. In Endemiegebieten gilt etwa 1 von 500 Zecken als FSME-Virus-infiziert. 90% der Infektionen verlaufen symptomlos, ca. 10% führen zu klinisch manifester Erkrankung unterschiedlicher Ausprägung.

Symptome:  Nach Inkubationszeit von wenigen Tagen bis zu 4 Wochen zu Beginn grippeähnliche Symptome, dann nach meist 8- bis 10tägigem fieber- u. beschwerdefreien Intervall zweiter Fieberanstieg u. ZNS-Beteiligung mit Meningitis,Myelitis od. Enzephalitis. Je nach Schwere u. Verlauf der Erkrankung Letalität 1-2%; neurologische Spätschäden bis 10%.

Therapie: Postexpositionelle Schutzimpfung bis zu 4 Tage nach Infektion möglich; sympt. Therapie, Bettruhe.

Prophylaxe: Gefährdete Gebiete meiden (ausgewiesene Endemiegebiete in Wald- u. Buschregionen), Schutzimpfung!

Nachweis: FSME-spezifische AK ab ca. 3 Wochen nach Infektion.

 

Es ist mittlerweile die Tatsache, dass sich Hunde mit dem Virus der FSME infizieren koennen und daran letal erkranken koennen, allgemein akzeptiert. Gewisse Unklarheit scheint darueber zu bestehen, wie haeufig nun FSME tatsaechlich neurologische Stoerungen und letale Erkrankungen beim Hund verursacht. Nach wie vor bestehen gewisse Unsicherheiten in der intra vitam Diagnostik mittels Antikoerpernachweis in Blut oder Liquor cerebrospinalis. Dies ist darauf zurueckzufuehren, dass ein hoher Prozentsatz der Hunde im Laufe des Lebens stumm durchseucht und daher Antikoerper gegen FSME Virus aufweist. Fuer eine einigermassen sichere Diagnose waeren entweder gepaarte Serum/Liquorproben oder aber ein selektiver IgM Nachweis noetig. Beides ist aber derzeit nicht Standard. Ob der Einsatz der PCR bei der inta vitam Diagnostik dieser Krankheit Vorteile bringen koennte, ist derzeit noch nicht ausreichend geklaert. Da bei FSME eine sehr rasche Virusclearance mit rascher Ausbildung von hohen neutralisierenden Antikoerpertitern die Regel ist, ist es mehr als fraglich, ob mit dieser Methode ein sicheres diagnostisches Instrument zur Hand waere. In der Diagnostik von humanen FSME Faellen stuetzt man sich auf IgM Nachweis, PCR ist nutzlos! Zur Abschaetzung der Haeufigkeit von FSME beim Hund koennte man daher den Anteil von Faellen mit FSME an Encephalitis-Faellen aus dem Untersuchungsgut eines diagnostischen Instituts heranziehen. Das Institut fuer Pathologie und Gerichtliche Veterinaermedizin hat in den letzten 5 Jahren (inclusive Juli 1998) 9 Faelle von FSME beim Hund aus einer Gesamtheit von ca. 30 nicht eitrigen Encephalitiden (Exclusiv Staupe)  diagnostiziert. Das sind durchschnittlich zwei Faelle pro Jahr. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen. Bedenkt man jedoch, dass nur ein kleiner Teil der Faelle tatsaechlich letal verlaeuft und auch nicht alle letalen Faelle einer Untersuchung zugefuehrt werden, so ist die Zahl der tatsaechlich pro Jahr anfallenden Faelle weitaus hoeher anzusetzen. Das Institut fuer Pathologie und Gerichtliche Veterinaermedizin hat in letzter Zeit einige Publikationen zu diesem Thema verfasst und ein Teil der kuezlich von mir eingereichten Habilitationsschrift beschaeftigt sich ebenfalls mit diesem Thema.

Fuer Interessierte:

Obwohl aus haftungsrechtlichen Ueberlegungen einer Impfung von Hunden mit Humanimpfstoff nicht zugestimmt werden kann, ist mir nicht bekannt, dass es schon zu Todesfaellen aufgrund einer Impfung gekommen waere. (Ein Kausalzusammenhang, der im uebrigen aeusserst schwierig nachzuweisen ist).

Dank an und von:

Dr. Herbert Weissenboeck  / Dr. Franz Schilcher