BHV-2                              

Bovine Mammilitis,  "Allerton"-Virus

Ätiologie

Das Virus ist mit dem Herpes simplex 1-Virus des Menschen verwandt und immunologisch nicht zu unterscheiden.

Bei der Mammilitis der Rinder handelt es sich um eine meist akut verlaufende Erkrankung, die sich hauptsächlich durch ulzerative Veränderungen an den Euterzitzen, gelegentlich auch an der umliegenden Euterhaut laktierender oder frisch trockengestellter Kühe manifestiert.

Epidemiologie

Die bovine Mammilitis ist überwiegend in Afrika und Australien, ferner in den USA und in Großbritannien verbreitet. In Europa selten.

Natürliche Infektionen kommen bei afrikanischen Büffeln aber auch bei anderen freilebenden großen Wiederkäuern Afrikas vor, die das Hauptreservoir bilden.

Virusübertragung vornehmlich durch engen Kontakt, oronasal oder den Deckakt. Eine mechanische Übertragung durch Insekten wird vermutet, da eine zeitliche Häufung (Herbst) in Feuchtgebieten beobachtet wurde.

Virus wird über die Hautläsionen und durch Sekrete der Schleimhäute abgeschieden.

Einmal infizierte Tiere werden zu latenten Virusträgern und können später bei Reaktivierung empfängliche Kühe anstecken.

Pathogenese/Pathologie

Ulzerative Läsionen entwickeln sich zuerst an den dermal oder subkutan infizierten Hautstellen, überwiegend an den Zitzen, von wo sie sich ausbreiten können.

Das Virus zirkuliert in Leukozyten zu den oberflächlichen und tieferen Lymphknoten, ist aber auch in kutanen Nerven, Spinalganglien und sogar im Zentralnervensystem nachweisbar, ebenfalls in Milch und Nasensekret.

Die generalisierende Form (Pseudo-Lumpy skin disease; Allerton Disease) mit über den ganzen Körper verbreiteten Hautknötchen wird fast nur in Afrika beobachtet. Das Virus kann dann auch in Sperma, Urin und Fäzes gefunden werden. Generalisierte Form schwer von Lumpy skin disease zu unterscheiden.

Klinik

Inkubationszeit von 3 bis 8 Tagen.

Hohe Morbidität (80%) beim erstmaligen Auftreten, später nur noch Jungtiere.

Auftreten von abgegrenzten Blasen an den Zitzen, die anschwellen und sehr schmerzhaft sind. Bei Kälbern auch Flotzmaul. Sie können konfluieren und in Folge platzen, was zu ödematösen Erosionen führt. Folgen können Mastitis mit Degeneration des Milchgewebes sein.

Die Erkrankung dauert 10 Tage bis zu 12 Wochen.

Nicht selten resultieren unheibare Mastitiden.

Schwierig ist die Unterscheidung der generalisierenden Allertoninfektion gegenüber der auch mit knotenförmigen Läsionen einhergehenden Lumpy skin disease. Die Knoten sind über den ganzen Körper verteilt und bilden sich erst nach Wochen zurück.

Diagnose

N-Ak können serologisch nachgewiesen werden.

Virusisolierung aus den Ulzera, Kultur auf Rinderzellen mit lytischen CpE.

Aus den Ulzera, die mindestens 10 Tage reichlich virushaltig bleiben, gelingt die Virusisolierung problemlos.

Immunologie

N-Ak finden sich etwa 1 Woche p. I., erreichen 2 bis 3 Wochen später ihr Maximum, bleiben aber relativ niedrig.

Mit dem Kolostrum werden sie auf Kälber übertragen und persistieren einige Wochen.

Einmal infizierte Tiere bleiben durchschnittlich bis zu 1 Jahr gegen Reinfektionen immun.

Bekämpfung

Eine Immunprophylaxe der bovinen Mammilitis ist nicht bekannt, kommerzielle Vakzinen sind nicht verfügbar.

Um in bedrohten Herden schwereren Erkrankungen zuvorzukommen, appliziert man Wildvirus intramuskulär. Nach etwa 1 Woche wird auf diesem Wege ein Schutz erzielt, der schwere seuchenhafte Verläufe in der Herde verhindert.

Hygiene!