Adenoviren beim Rind            

9 verschiedene Serotypen dieses Adenovirus, weltweit sehr häufig, klinisch inapparent, wird laufend ausgeschieden.

Epidemiologie

Aufnahme: Respirations- & Digestions-Trakt

Auftreten: überwiegend bei Kälbern von 4 Wochen bis zu 4 Monaten. Seltener bei 6 - 8 monatigen Kälbern.

Häufig in Großbetrieben, selten bei Kleinbauern (siehe Crowding).

Ganzjähriges Vorkommen, seltener im Sommer.

Ausscheidung

Pathogenese

Inkubation: 1 Woche, dann systemische Ausbreitung.

Symptome: Fieber, Anorexie, respiratorische & enterale Erscheinungen, Neugeborene zeigen hohes Fieber, schwerere Erkrankung.

Klinik

Zu Beginn gewöhnlich leichtgradig erhöhte Körpertemperatur (39.5 - 40.5), seröser Nasenausfluß und Konjunktivalausfluß. Bald darauf Appetitmangel, Mattigkeit, gesträubtes Haarkleid = zusammen mit Fieber (Visitkarte der Virämie). Husten, gestreckte Kopfhaltung sind hervorstechende Symptome (stark erschwerte Atmung).

Meist gleich anschließend wird der Digestionsapparat befallen: Vermehrter Speichelfluß und Durchfall. Fäzes sind dünn, graugelb oder grüngelb, enthalten gelegentlich Schleim. Durchfall teils intermittierend, teils mit Tympanie.

In bestimmten Fällen trat Durchfall auf bevor Respirationssymptome einsetzten.

Verlauf und Prognose: Tiere 1 - 2 Wochen lang klinisch krank. Heilen ab oder entwickeln 3. - 5. d nach klinischer Erkrankung Pneumonie als Spätfolge. Von den Kälbern, die eine Pneumonie entwickelten, mußten 40 - 50% wegen Kümmerns notgeschlachtet werden.

              

Problem beim "Crowding"

Involviert im "Rindergrippe"-Syndrom (Enzootische Bronchopneumie)

Hoher Verseuchungsgrad unter österreichischen Mastkälbern (im Laufe der Jahre sämtliche bovine Typen mit Ausnahme der Serotypen 2 und 3 isoliert). Als Extremfall wurde Adeno aus 9/30 Kälbern einer Mastgruppe (zusammen mit Mischerregern) isoliert, die trotz Behandlungsversuchen starben.

Immunologie

gutes Ag; klinisch inapparente Infektionen hinterlassen auch schon gute Immunität.

90% aller älteren Tiere haben Ab!

Abs werden im Kolostrum an Nachkommen übertragen.

Prophylaxe

Schutzimpfungen:

Funktionell-synergistische Kombinationsvakzine (Adeno, Reo, Parainfl, Pasteurella).

Erste Vakzination erst mit 6 bis 8 Wochen (maternale Ab!!), zweite nach dem 3. Lebensmonat, jährliche Auffrischungsimpfung.

Beim Mästen sollte man innerhalb der ersten 2 Wochen prophylaktisch impfen.

Bartha hat frühzeitig eine Formolvakzine gegen Typ 4 entwickelt, später den Typ 1 dazukombiniert, als sich Bulgarien als endemisch mit Typ 1 infiziert erwies. Dieser Impfstoff genießt in Ungarn wo sein Einsatz staatlich geregelt wird, ein gutes Prestige. In Westeuropa ist er nicht erhältlich. Auf den Markt gelangten eine britische Vakzine mit Typ 3, den es in Österreich nicht gibt, und eine deutsche mit den Typen 1, 3 und 5. Versuchsfreudige Kliniker haben beide Marktimpfstoffe in Mastbetrieben mit zur Gänze negativem Erfolg eingesetzt. Unsere Mäster hatten ein sehr probates Ausweichverfahren zur Hand, wie es in USA schon 2 Jahrzehnte praktiziert wird: Kälber erst mit 5 Monaten in Mastgruppen zusammenzustellen. Seitdem immer mehr auf 18 Monate gemästet wird, steht dieser Weg jedem offen. Er hat sich millionenfach in den USA bewährt. Die Kälber haben ihre Altersresistenz entwickelt und lassen sich infolge abgebauter maternaler AK problemlos aktiv immunisieren.

Diagnose

Kultur, degenerativ-cytolytisch, KEK.

Subgruppe 1 in Erstkultur Kälbernieren oder -hoden.

Subgruppe 2 nach 2 - 5 Blindpassagen in Kälberhoden = 20 - 50 Kulturtage. Man kann die kult. Diagnose beschleunigen, wenn nach der 1. oder 2. Blind-Passage  IF vorgenommen wird. Sie zeigt subgruppenspezif. an!