Respiratorische Übertragung
Nicht nur Viren, die den Respirationstrakt befallen, sondern auch andere Viren, die generalisieren, werden so übertragen (Masern, Rinderpest, Pocken, MKS).
Das Virus vermehrt sich (auch) im Respirationstrakt und wird so beim Atmen ausgeschieden. Häufig sind mit diesen Erkrankungen vermehrte Schleimbildung verbunden, so daß das Virus in einem feuchten Aerosol übertragen wird.
Die Tröpfchengröße ist dabei von entscheidender Bedeutung:
Übertragung durch Aerosole kann über weite Entfernungen vorkommen. z.B. kam es zum Ausbruch von MKS in Südengland, als in Frankreich ein Ausbruch war.
Trotzdem ist nicht jeder Erkrankte ein Ausscheider oder als solcher infektiös, da es nicht zur richtigen Tröpfchengröße kommt.
Außerdem muß auch der zu Infizierende empfänglich sein, was oft auch mit der Psyche zu tun hat. z.B. sind Hinterbliebene nach einem Todesfall besonders empfänglich.
Einige der respiratorischen Viren können auch durch physischen Kontakt infizierter Oberflächen weitergegeben werden.
Umwelteinflüsse bestimmen nebenbei auch die Übertragungscharakteristika. Influenza wird meist im Winter übertragen, was wohl mit Luftfeuchtigkeit, Temperatur und sozialem Verhalten und schlechter Ventilation in der Heizperiode zu tun hat.
Viele Viren werden "geschluckt" und multiplizieren im Darm. Nackte Zellen, die zur Absorbtion an der Oberfläche des Darms liegen, sind gute Kandidaten für eine primäre Ansiedelung.
Viren werden dann mit dem Kot ausgeschieden, kontaminieren Flächen und Gewässer und können so bei schlechter Hygiene (oder bei Kindern, die alles in den Mund stecken, oder Hunden die alles beschnüffeln) wieder aufgenommen werden.
Verbesserte Hygienestandarts führen zur Abnahme von Viruserkrankungen. Bei einigen Viruserkrankungen kann das aber auch nachteilig sein.
| z.B. bei Polio kommt es bei Kindern meist nur zu einer inapparenten Darminfektion. Erwachsene zeigen aber sehr häufig bei Erstkontakt (nach verbesserte Hygiene) eine paralytische Poliomyelitis! |
Urogenital
Ein paar wenige Viren werden mit dem Urin ausgeschieden. (Lassa Fieber)
Wichtiger ist genitale und maternale Übertragung. (HSV 1, Papillomavirus, HIV) Übertragung sowohl hetero als auch homosexuell, wobei die Vagina eine dickere Wandstärke hat und so seltener Läsionen zeigt als der Darm. Ejakulat ist übrigends ein sehr guter Überrägerstoff für Lymphozyten-gebundene Viren, da es durchschnittlich 1 Mio. Lymphos enthält.
Vertikale Übertragung kann zu congenitalen Schädigungen der Frucht in den ersten Graviditätswochen /Monaten führen. (HBV, HIV, Röteln). Es gibt aber noch keine klaren Hinweise, ob eine Übertragung über Oocyten, Spermien, Placenta..... vorherrschend ist.
Milch und Speichel können ebenfalls infektiös sein (MMTV, Tollwut)
Mechanisch
Virus-Vektoren wie Stechfliegen oder Zecken, die beim Saugakt bzw. bei der Injektion von anticoagulierendem Speichel, das Virus übertragen. Die Stechwerkzeuge werden bei einem Infizierten kontaminiert, und beim nächsten Wirt kann der anhaftende Erreger weitergegeben werden.
Einge Viren werden von stechenden Insekten, in denen es noch zur Virusvermehrung kommt, übertragen (Arboviren).
Und dann ist da noch der iatrogene Weg, also kontaminierte Spritzen oder OP-Werkzeuge, die schon so manchem Lebewesen den Tod gebracht haben. (Akupunktur, Tattoos, Rasiermesser, Zahnarztbohrer...)